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Traditionelles Muay Thai PDF Drucken E-Mail

Muay Thai Boran, die berühmte Kampfkunst aus Thailand, bei der mit Fäusten, Füssen, Ellbogen und Knie gekämpft wird, wird in der Siak Lak Hang Schule im traditionellen Stil gelehrt. Es stehen die Beherrschung des Körpers und des Geistes im Vordergrund, dh. der traditionelle Muay Thai Kämpfer ist ein "spiritueller Kämpfer", der seine eigene Stärken und Schwächen erkennen will. Die Trainingsstunden beginnen mit Konditions- und Stretchingübungen. Nach vorbereitenden Energieübungen übt man das Anfangsritual eines jeden Kampfes. Das sogenannte "Wai Kru" lässt sich in etwa mit "Die Angst aus dem Herzen verjagen" übersetzen. Im Anschluss daran lernt man vier Tierformen. Es werden auch Waffen eingesetzt, wie z.B. Schwert oder Stock. Sparing und Abhärtung an den Holzpuppen vervollständigen das Training. Nach jeder Stufe wird eine Prüfung abgehalten.


Das Wai Kru - "Die Angst aus dem Herzen vertreiben"

Vor jedem Kampf wird auch heute noch eine uralte Zeremonie abgehalten: Jeder Kämpfer führt in der Mitte des Rings eine Art "Tanz" vor, in dem er eine bestimmte Abfolge von Bewegungen seines Stils zeigt. In diesen rituellen Bewegungen, die von Musik begleitet werden, sammelt man die inneren Kräfte und huldigt seinem Meister. 

Der Kopfschmuck (Mongkong) und das Armband Kruang Ruang oder Prajaet genannt, haben eine rituelle Bedeutung. Sie schützen vor bösen Geistern und schlechten Einflüssen. Wenn man es trägt, ist man bereit für den Kampf. Auch wurde früher nicht mit Boxhandschuhen, sondern mit blossen Fäusten oder mit um die Hände gewundenen Seilen gekämpft.


Stufe 1 – Kranich

Der Kranich ist geduldig und ausdauernd im Kampf, er beobachtet seinen Gegner sehr genau, um dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Die Schüler beginnen mit dem Tanz des Kranichs (Wai Kru des Kranich). Nach den Grundtechniken des Vorwärts- und Rückwärtsgehens wird die Form des Kranichs gelernt. Erste Partnerübungen und Chi-Übungen sind Bestandteil des Unterrichts.


Stufe 2 – Wasserbüffel

Der Wasserbüffel demonstriert seine Kraft. Er lässt sich nicht vom Gegner einschüchtern und führt unbeirrbar seinen Angriff durch. Das Wai Kru des Wasserbüffels und die entsprechende Form wird gelernt. Fausttechniken und Kicks als neue Schlagtechniken, eine kurze Stockform sowie Partnerübungen ohne Vollkontakt kommen hinzu.


Stufe 3 – Kampfhahn

Die Techniken des Kampfhahns eignen sich für den Nahkampf. Er zeigt seinen roten Kamm und seine Sporen, um sich dann beim Angriff auf Kopf und Schienbeine des Gegners zu konzentrieren. Die Wai Kru-Übung und die Kampfhahnform werden einstudiert. Weitere Kicks, Sprungtechniken und das Einzelschwert kommen als Waffen hinzu. Zur Abhärtung wird an der Holzpuppe geübt.


Stufe 4 – Tiger

Der Tiger gilt als "Techniker". Er ist ein überlegener Gegner, der auf einen günstigen Moment wartet. Sein Angriff ist dann kraftvoll und schnell. Dieses Wai Kru des Tigers und die Tigerform wird dieses Jahr gelehrt. Techniken für Ellenbogen und Knie sowie Bodenkampf und Partnerübungen sind Bestandteil dieser Stufe. Das Doppelschwert wird gelernt und die Holzpuppentechniken weiter ausgebaut. Sandsackübungen und Pranahand-Übungen dienen der weiteren Chi-Verstärkung.


Stufe 5 – Abschlussjahr

Im Jahr des Meisters werden alle Übungen wiederholt und geübt. Durch spezielles Freisparing können die Techniken verfeinert werden.


Muay Thai als Kunst

Muay Thai beeinflusste wie keine andere Sportart Thailands Kultur, Geschichte und Kunst. Blickt man in der thailändischen Geschichte zurück, so gab es schon im 1. und 2. Jahrhundert Kampftechniken, die der Ausgangspunkt für Muay Thai waren. Lange Zeit war Muay Thai eine Kampfart, um im Krieg überleben zu können. Als aber die ersten Schaukämpfe aufgeführt wurden, wandelte sich diese Kunst bald in einen festen Bestandteil der lokalen Feste und Feiern, die rund um die Tempel aufgeführt wurden. Diese Form nennt man Dhee Muay  oder Dhoi Muay, was sich vom heutigen Kampfsport sehr unterscheidet. Regeln und richtige Ausrüstung waren damals noch nicht eingeführt und so trainierten die Thai`s mit dem, was ihnen die Natur zur Verfügung stellte: Auf Palmen klettern, um die Arme zu stärken, auf die Wasseroberfläche oder auf schwimmende Kokosnüsse schlagen. Auch Bananenstauden wurden als Sandsackersatz verwendet. Als Rama V., auch König Chulalongkorn genannt, 1868 den Thron bestieg, brachte sein Interesse an Kampfkunst einen neuen Aufschwung für das Thai-Boxen. Ab dieser Zeit entstanden die ersten Kampfplätze und später Arenen, aber es kam auch zur immer weiteren Festlegung der Regeln und Ausdifferenzierung der Stile. Heute ist Muay Thai als National Sport in Thailand anerkannt und jeder, der schon einmal in den berühmten Boxstadien in Bangkok war, kann die Begeisterung der Thais für diese Kampfkunst miterleben. Allerdings hat das heutige Muay Thai nicht mehr viel mit den ursprünglichen Formen zu tun. Als Wettkampf ausgetragen verlieren sich die traditionellen Formen immer mehr und auch die Rituale, wie das Wai Kru werden nur noch in verkürzter Form vorgetragen. In der Siak Lak Hang Kampfkunstschule wird dieses alte Wissen noch vermittelt. Der Muay Thai Boran Stil wird nach alter Tradition ohne moderne Wettkampf- Techniken gelehrt.


"Wenn du deine Angst überwinden kannst und du deinen Gegner bewusst siehst, hast du den Kampf schon gewonnen. Dann brauchst du auch nicht zu kämpfen. So ist das Muay Thai Boran."

 
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